GRÜNE TÄLER
Beginnen wir unsere Tour durch die Bellunesischen Dolomitentäler im Süden, im Valle di Seren [1], einem Mikrokosmos mit jahrhundertealten Traditionen. Das Tal zählt zu einem der unberührtesten im Gebiet Feltrino und ist das Tor zum Grappamassiv. Hier findet man ein Paradies aus Wäldern, Weiden und Schuppen (Fojaroi) mit eigenartigen Dächern aus Buchenzweigen. Nicht weit entfernt liegt das Val Senaiga [2] (Gemeindegebiet Lamon) und zeigt das ganze Potential eines kargen und schwierigen Bodens. Besonders interessant sind dort die Grotten, in denen man die Reste prähistorischer Tiere, wie z.B. des Höhlenbären (ursus spelaeus), fand.
Verlassen wir nun die Zone Feltrino und machen wir uns in Richtung Agordino auf. Hat man die Ortschaft Taibon erreicht, kommt man links ins Valle di San Lucano [3]. Dieses enge Tal mit den schwindelerregenden Felswänden der Gruppe Pale di San Lucano und des Monte Agner ist dem nahen Val Gares [4] (am Eingang ins Val Bios) sehr ähnlich. Beide haben keine Mündungen und werden von den Wänden der Berggruppe Pale di San Martino abgeriegelt. Im Alto Agordino, kurz nach der Ortschaft Caprile, öffnet das Val Fiorentina [5] seine Pforten. Das Tal bildet die Grenzlinie zwischen Südtirol und Venetien. Landwirtschaft und Fremdenverkehr, Traditionen und Modernes ergänzen sich hier in perfektem Einklang. Mit einem langen Sprung über den Giau-Pass und Cortina d’Ampezzo gelangt man zum romantischsten Plätzchen im Cadore, ins hohe Val d’Ansiei [6], wo der zauberhafte See von Misurina schlummert. Eine Pause und ein Spaziergang um den See zahlen sich wirklich aus. Man wandert dem Seeufer entlang und kommt auf eine Strasse, die zum Antornosee unter den Drei Zinnen, dem Monte Sorapiss und der Cadinigruppe führt. Fährt man durch das Val d’Ansiei hinunter, erreicht man die Ortschaften Auronzo, Santo Stefano di Cadore und Padola. Hier, im hohen Val Comelico nur ein paar Kilometer von der Grenze zwischen Tirol und Kärnten, liegt das Valgrande [7]: das wunderschöne Becken öffnet sich wie ein Fächer zwischen den Wäldern am Fuß des Monte Popera. Das Tal ist seit dem 19. Jahrhundert wegen seines gegen Hautkrankheiten eingesetzten schwefel-, magnesium- und kalkreichen Wassers sehr bekannt. Heute gibt es dort ein Thermalbad. Von Santo Stefano di Cadore fahren wir nun in Richtung Sappada weiter. Eines der schönsten Täler der Dolomiten ist das Val Visdende [8], eine weitläufige Hochebene mit großen Lichtungen und Lärchen- und Tannenwäldern. Die Verwaltung obliegt den “Regole”, die das Gebiet achtsam vor jeder wirtschaftlichen Ausbeutung schützen. Östlich von Sappada, an der Nordostgrenze der Provinz Belluno, befindet sich der Eingang ins Val Sesis [9]. Hoch oben, an den Hängen des Hochweißsteins (Monte Peralba) entspringt die Piave, der “Fluss des Vaterlands”.
Länge: etwa 210 Km
Fahrzeit: fast 4 Stunden (Rundfahrt)
Anfahrt: mit dem PKW und abschnittweise mit Linienbussen
Empfohlene Zeit: das ganze Jahr über




